Ich schrieb ja kürzlich ganz euphorisch, dass es hier DSL gibt. Das ist tatsächlich keine Selbstverständlichkeit; legendär ist die Geschichte wie die Schwiegereltern vor ein paar Jahren von Telefonladen zu Telefonladen rannten und sich immer wieder das selbe Gespräch abspielte: Wir hätten gern schnelles Internet. - Gut, sehr gerne. Mobil oder stationär? - Also, daheim, äh, stationär. - Wo wohnen Sie denn? - Iden. - Uh, Iden? Gaaanz schlecht. Nee, Iden is ganz schlecht. Geht nich. Iden geht wirklich gar nich. - Na denn, schön' Tach noch.
Schlussendlich schaffte es ein findiger Angestellter einer Firma dann doch, mit einer Antenne vom Dach auf einen etwa 10 Kilometer entfernten Mobilfunkmast zu peilen und damit erträgliche Surfgeschwindigkeiten ins Haus zu holen. Funktionierte aber nur bei gutem Wetter und überhaupt auch nur, weil das Haus ganz am Ende vom Dorf steht und man quasi zum Mast-Standort eine Art Funkschneise hat. Ja, auch Internet kann Luxus sein. Das Gute ist: Es geht doch was voran und mittlerweile gibt's auch in Iden DSL. Aber das gehört eigentlich gar nicht hierher. Denn schliesslich gibt es in Havelberg ja DSL, wie wir wissen.
Am neuen Domizil noch ohne Anschluss nutzte ich also für einen Tag die Recherchemöglichkeiten bei den Schwiegereltern und entschied mich für Kabel Deutschland. Da darf man online abfragen, ob ein Anschluss an einer bestimmten Adresse möglich ist und dann vermeldet ein Fensterchen, dass quasi alles wunderbar gelingen wird und man im besten Falle gleich eine Installationskiste geschickt kriegt, die muss man dann nur noch einstöpseln usw. Feine Sache. Aber es kam kein Paket, sondern ein Anruf: Ende Januar käme dann ein Techniker und der würde alles installieren. Gut, wir üben uns also in Geduld. Zwischenzeitlich waren die Nachbarn von obendrüber so lieb, uns ihr Passwort fürs WLAN zu überlassen. Unkompliziert, gleich, sofort - ist doch klar, da muss man helfen. Das ist eben der Osten. Wobei, auf diese Erkenntnis bin ich nicht selber gekommen (schliesslich war es in der Saumackerstrasse auch so...), ein Freund aus Stuttgart brachte mich drauf. Und wißt Ihr was: Er hat Recht. Ich habs dann dem Nachbarn wieder erzählt. Der war auch einverstanden.
Der lang erwartete Techniker zog schon gleich die Stirn kraus: Es habe schonmal einen Auftrag für einen Anschluss hier im Haus gegeben, das sei aber gescheitert. Ui, nein. Bitte nicht. Wo denn hier die Telekomanschlüsse ins Haus kämen. Wir suchten. Im Keller. Nee. Dann da neben der Hauseingangstüre im Flur. Ja, da steht Post drauf. Aber nix drin. Hmmm. Kommt die Nachbarin von unten aus der Wohnungstüre, Frau B. Dazu eine kurze Anmerkung: Frau B, eine Dame von unschätzbarem, aber auf alle Fälle älterem Alter und meistens in grauem Joggingpulli auftretend, weiß scheinbar nicht so recht, wie sich ihr eigener Name schreibt: Auf dem Postkasten steht er mit einem "i" nach dem B, auf dem Klingelschild, fixiert mit Transparentpflaster, mit "e". Auf dem Türschild steht er zwar auch mit "e", aber da geht er hinten anders weiter als auf den anderen Schildern. Man sollte aber Mitleid mit Frau B. haben: Ihr Name ist eine recht komplizierte Abfolge von wenigen Vokalen und vielen Konsonanten. Da haben wir selber es wirklich leichter.
Egal. Frau B. mit "e" oder "i" sagt: Ja, der Anschluss der liegt draussen, links neben der Haustüre, quasi auf der anderen Seite der Mauer. - Aber da ist doch...? - Richtig, da ist der Brennholzstapel der Nachbarn. - Und den kann man doch nicht einfach? - Nee, sagt der Installateur, da bräuchte man dann schon die Erlaubnis und so weiter.
Ui, das klingt kompliziert. Und mal angenommen, man könnte dann von dort aus den Anschluss und so weiter? - Ja, dann würde man ein Kabel durch den Hausflur hoch in die Wohnung ziehen. Aufputz natürlich.
Ich winke ab. Kann er vergessen. Ist mir zu kompliziert. Und ausserdem wirklich schade um den Hausflur. Danke, ich geh zu Vodafone.
Nachmittags wild entschlossen im Vodafone-Laden am Marktplatz. Ich tippe auf das M-Paket in einer DSL-Broschüre. Bitte einmal das hier. - Ihre Adresse? Aber da geht doch Kabel Deutschland, da braucht man doch kein Vodafone. Die Nachbarn links daneben haben doch auch alle Kabel Deutschland... - Nee, geht nicht. Der Anschluss liegt hinterm Holzstapel und wenn dieser Winter so mild bleibt, dann kommen wir vor Februar 2016 wohl nicht da ran. Nee, Scherz beiseite: Ist zu kompliziert. Lieber normales DSL. - Gut, mach mer. Ahhh, nee. Geht nicht. - Bitte? - Nee, geht nicht. In dem Haus geht nur ein Mal DSL, und das haben schon die obendrüber. - Ok. Ok. Äh, ich red mit denen. Ok. Ok. Vielleicht können wir da weiter mitsurfen. - Ja, das macht ruhig. Hier geht halt nicht mehr. Die Telekom hat damals die Netze nicht besser ausgebaut. Aber so gehts ja auch.
Nachmittags erzählt mir der Gatte, dass er auch schon von Leuten aus Havelberg gehört hat, die quasi drauf warten, dass einer der Nachbarn stirbt, damit sie endlich DSL haben können. Und das bei den Demografieprognosen...
Nun wird es so werden, dass wir uns DSL mit den Nachbarn von oben teilen, und dass wir wohl auch Ihre Festnetznummer haben können. Die wollten sie gar nicht, mussten sie aber mit DSL mitkaufen, wie das heut halt so ist. Wir gehn dann am Montag nochmal zusammen zu Vodafone zum Runterinstallieren vom Festnetz. Hier kennt man sich eben aus mit Mangelwirtschaft und dass man aus derartigen Knappheiten nicht etwa Problem macht, sondern eine Tugend: So kostet's für alle weniger.
Bei Vodafone vom Sven (den kenn ick damit jetz ooch) dann die Auskunft: Am einfachsten isses, ihr hängt oben an den Anschluss n Telefon mit zwee Mobilteilen dran, und leecht das oben denn tot, so dasset nich klingelt. Und mit dem unten telefoniert ihr denn. Verstehste? Die Dinger krichste drüben bei Euronics schon für neununddreis-sch Euro. Dit kost nicht viel.
Ich also rüber zu Euronics. Ich hätt gern ein Telefon mit zwei Mobilteilen. Aber bitte in weiß. --- Oh, da kann ich Ihnen nicht helfen. Die Anfrage hab ich nur einmal im Jahr. Dis is zwar schön, wenn man seine Wohnung so designmäßig einrichten will, aber sowat jeht in Klein-Havelberg nich.
Ich freu mich also, dass ich sozusagen die Kundin des Jahres bin, wünsche einen schönen Tag und kaufe --- sorry --- im Internet ein Zusatzmobilteil zu unserem Schweizer Gerät. Mal gucken, ob das hier funktionert; oder ob sich das irgendwann weigert, wenn zu viel Hochdeutsch gesprochen wird...
An der Sache mit dem Holzstapel gibt es aber noch einen gewaltigen Haken: Ich hatte auf unsere Neujahrskarten unsere - von Kabel Deutschland zugeteilte - Festnetznummer geschrieben. Die stimmt nun natürlich gar nicht. Inzwischen hab ich eine, die ist an mein Handy gekoppelt. Und hier ein kleines Rätsel zu eben dieser Nummer, ich will sie schliesslich nicht im Klartext im Internet veröffentlichen: Vorwahl von Havelberg: 039387 ... und dann folgen insgesamt sechs Ziffern. Zuerst: Unsere Hausnummer in der Saumackerstrasse +2, dann die mittleren zwei Ziffern des Jahres, in dem wir geheiratet haben, zuletzt: die beiden durch ein x ersetzten Ziffer meiner alten Schweizer Handynummer 076 x3x 49 19. Mal schauen, wer zuerst hier anruft :-)


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